Der Bremsklotz der Elektromobilität

Einerseits entwickelt sich der Markt der Elektromobilität ganz ausgezeichnet, wird doch die Entwicklung und Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus weiter vorangetrieben und auch die Symbiose aus Elektroautos und nachhaltigen Wohnkonzepten ist momentan in aller Munde. Auch war man vor ein paar Jahren noch davon überzeugt, dass Deutschland zu einem Leitmarkt für Elektromobilität werden könnte. Die Regierung zeigt aber, wohl auch aufgrund der aktuellen Währungskrise, zu wenig echtes Interesse an der neuen Zukunftstechnologie.

Die Regierung muss Gas geben

Einst zählten wir – zumindest was die theoretische Entwicklung von Konzepten und die technischen Mittel angeht – zu den Vorreitern der Elektromobilität. Im Jahre 2011 sieht die Sache allerdings schon wieder ganz anders aus. Tatsächlich sind wir im internationalen Vergleich sogar das Schlusslicht unter allen Staaten, die sich aktiv mit diesem Thema beschäftigen und auch schon Elektroautos vertreiben. Während die Berliner Ministerien von einer Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen im Jahr 2020 träumen, sind die tatsächlichen Zulassungszahlen von abgasfreien Elektroautos geradezu bedeutungslos. In diesem Jahr sind bis zum November lediglich 1808 Elektroautos angemeldet worden. Diese ernüchternde Hochrechnung wurde von der Universität Duisburg-Essen vorgelegt und bestätigt leider, was die meisten Skeptiker befürchtet haben:

Die Deutschen trauen der Technologie nicht und die Regierung ist eindeutig zu passiv.

Den Großteil der Zulassungen machten zudem Showfahrzeuge aus, die gar nicht von Bürgern im Alltag eingesetzt werden. Diese Autos erfüllen allein den Zweck, den Autohändlern und Stromerzeugern für Werbezwecke zu dienen. Ein wahrhaft elitäres Grüppchen sind dagegen die Privatkäufer von Elektroautos. Von 82 Millionen deutschen Bürgern haben sich genau 101 dafür entschieden. Wenn Deutschland den Anschluss nicht verlieren will und weiter an dem Plan festhält, auf die Elektromobilität als künftigen Wirtschaftsmotor zu vertrauen, muss die Regierung tätig werden und mit Kampagnen und finanzieller Unterstützung die Produktion und den Absatz vorantreiben. Über alternative Energie- und Mobilitätskonzepte kann man sich auch auf steckdose.de informieren.

Der Mitsubishi i-MiEV verfügt über einen Elektromotor mit 67 PS (49 kW) und ist mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern auch für Autobahn geeignet.

Das Land der Bürokraten

Einst war Deutschland das Land der Vordenker! Nirgendwo sonst auf der Welt wurden so viele Patente angemeldet und der teutonische Erfindergeist kannte, was neue Mobilitätskonzepte angeht, keine Grenzen. Schon im Jahre 1888, also nur drei Jahre nach der Patentanmeldung des ersten modernen Automobils durch Carl Benz, rollte das erste Elektroauto über die deutschen Straßen. Dass es nun gerade hierzulande mit der Elektromobilität so langsam vorangeht, ist zusätzlich besonders ernüchternd, weil in diesem Jahr für Käufer durchaus alltagstaugliche Elektrowagen zur Verfügung gestanden hätten. Die Angst, dass die Akkus nichts taugen würden oder der Strom nicht billig genug wäre, ist eigentlich unbegründet, aber es wird auch zu wenig Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet geleistet. Hier muss sich dringend etwas ändern.

Das Honda EV-N Concept, ein kleines Fahrzeug, ideal für die Stadt. Doch wann kommen Elektroautos wirklich für die breite Masse?

Bilder: Hersteller

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